Eintracht Frankfurt mit Interesse an Paraguay-Star

Durch die finanziellen Einbußen in Zuge der Corona-Pandemie ist auch bei Eintracht Frankfurt Kreativität gefragt. Während die Eintracht über einen permanenten Transfer von André Silva verhandelt, laufen auch die Planungen für weitere Verpflichtungen in diesem Sommer. Wie das mexikanische Portal „Futboltotal“ berichtet, scheint die SGE den Blick gen Nordamerika gewendet zu haben.

Das Objekt der Begierde: Bruno Valdez vom mexikanischen Verein CF América. Laut „Futboltotal“ interessieren sich neben der SGE auch RB Leipzig und Bayer 04 Leverkusen für den 27-jährigen Innenverteidiger. Der Haken: América soll eine Ablösesumme von mindestens vier Millionen US-Dollar (circa 3,4 Millionen Euro) fordern. Eine Summe, die den genannten Interessenten offenbar zu hoch ist. 

Valdez selbst soll seinem Verein bereits mitgeteilt haben, América verlassen und gen Europa ziehen zu wollen. Der Vertrag des Innenverteidigers läuft noch bis 2023. Mit einem Marktwert von fünf Millionen Euro (transfermarkt.de) ist er der wertvollste Spieler und unumstrittener Stammspieler seines Vereins. Wenig verwunderlich also, dass América eine gewisse Entschädigung fordert.

Das Interesse von Eintracht Frankfurt, aber auch der anderen beiden Bundesligisten, soll schon seit mehreren Monaten bestehen. Aufgrund des ausgerufenen Preisschildes des mexikanischen Erstligisten sind konkrete Verhandlungen bisher jedoch gescheitert. Zudem hat sich Valdez kürzlich beim 1:3 gegen CF Monterrey bei einem Zweikampf im linken Knie das Kreuzband und das mediale Kollateralband gerissen, wie CF América nach der Partie mitteilte. Damit dürfte der Verteidiger vorerst Monate ausfallen.

Valdez trägt seit 2016 das Trikot von CF América. Zuvor hatte er seine Fußballschuhe für Club Cerro Porteno geschnürt, ehe der Abwehrspieler für 3,12 Millionen Euro aus Paraguay nach Mexiko wechselte. Der Rechtsfuß hat mit 30 Länderspielen und einem Treffer für die Nationalmannschaft Paraguays zudem schon internationale Erfahrungen sammeln können. Bei Eintracht Frankfurt könnte Valdez den Konkurrenzkampf in der Defensive enorm erhöhen. Zudem steht Innenverteidiger Simon Falette bei der SGE zum Verkauf. 

Geld könnte die Eintracht durch einen permanenten Verkauf von Ante Rebic gen AC Mailand generieren. Zudem hat Adi Hütter bei Eintracht Frankfurt gleich sechs Spieler aussortiert. Auch sie könnten die SGE noch in diesem Sommer verlassen.

FNP

Deutliches Signal an Joveljic

Kapitän Abraham hatte sich am Montag eine Seitenbandzerrung im rechten Knie zugezogen, befürchtet worden war ein zwei- bis dreiwöchiger Ausfall. Doch am Mittwoch lief der Innenverteidiger in der Vormittagssonne bereits wieder zügig Runden um den Platz, während sich die Kollegen ein intensives Trainingsspiel lieferten. Sollte es keinen Rückschlag geben, ist anzunehmen, dass Abraham zeitnah ins Mannschaftstraining zurückkehren kann.

Eine zweite Trainingsgruppe absolvierte auf einem der anderen Plätze ein separates Programm. Trainer Adi Hütter hatte schon vor Wochen angekündigt, nicht mit 30 Mann trainieren zu wollen, insofern überrascht diese Maßnahme nicht. Mit Dejan Joveljic (21), Nils Stendera (19), Yannick Brugger (19), Jabez Makanda (19), Marijan Cavar (22) und Lukas Fahrnberger (19) trainierte ein Sextett unter den Augen von Athletiktrainer Andreas Biritz. Ab dem Wochenende wird Marco Pezzaiuoli, der nicht mehr im NLZ der Hessen tätig ist, das Training dieser Gruppe übernehmen. Dass Joveljic nicht am Mannschaftstraining teilnehmen durfte, kam überraschend. Immerhin hatte die Eintracht vor einem Jahr vier Millionen Euro hingeblättert, um den Stürmer von Roter Stern Belgrad zu verpflichten. Erwartet worden war, dass der serbische U-21-Nationalspieler in der Vorbereitung die Chance erhält, sich zu zeigen. Doch das Signal ist klar: Hütter traut dem Talent den Durchbruch offenbar noch nicht zu. Zumal die Konkurrenz im Angriff mit André Silva, Bas Dost, Goncalo Paciencia und Neuzugang Ragnar Ache groß ist. Da Joveljic in Frankfurt bis 2024 unter Vertrag steht, erscheint eine weitere Ausleihe als die klügste Lösung. Ein vermeintlicher Rückschritt in die 2. Liga könnte sich im Falle regelmäßiger Spielpraxis als Win-win-Situation erweisen. Ob für das Talent bereits Anfragen vorliegen, ist nicht bekannt. Vergangene Rückrunde war Joveljic an den RSC Anderlecht ausgeliehen. Pech: Nach fünf Einsätzen (ein Tor) wurde die belgische Liga wegen der Corona-Pandemie abgebrochen.

Nach dem Vormittagstraining fand eine Pressekonferenz mit Verteidiger Almamy Toure statt. Der Franzose steht vor einem wegweisenden Jahr. Fußballerisch wurde der 24-Jährige bei der AS Monaco gut ausgebildet, allerdings ist auch eineinhalb Jahre nach seiner Verpflichtung nicht abzusehen, ob er den Durchbruch in der Bundesliga schafft. Mit Schlafmützigkeiten und leichten Fehlern fiel Toure bislang zu häufig negativ auf. Im Saisonendspurt verzichtete Hütter komplett auf seine Dienste. Allerdings gab es auch immer wieder Lichtblicke, die hoffen lassen: In den Heimspielen gegen Bremen, Leverkusen, Augsburg und Salzburg sah er jeweils die kicker-Note 2. Am 19. Spieltag erzielte er beim 2:0 gegen Leipzig (kicker-Note 2,5) mit einem herrlichen Distanzschuss sein erstes Bundesligator. Potenzial ist also durchaus vorhanden.

Vor dem Anpfiff der neuen Saison stellen sich zwei Fragen: Gelingt es Toure, Konstanz in seine Leistungen zu bringen? Und kann er sich im internen Konkurrenzkampf durchsetzen? Letzteres könnte zum Teil auch von der Formation abhängen. Im 3-5-2 bliebe für ihn im Grunde nur die Position rechts auf dem Flügel. Optimal fühlt er sich in dieser Rolle nicht aufgehoben, am Mittwoch sprach er davon, dass es ungewöhnlich sei, die komplette rechte Seite zu bearbeiten, betonte aber auch: „Man muss sich anpassen, seine Leistung bringen und das Beste daraus machen.“ Zwar kann Toure ebenso als Innenverteidiger eingesetzt werden, an einem fitten Abraham kommt er jedoch nicht vorbei. Größere Chancen auf Spielpraxis hätte Toure, sollte sich Hütter für eine Viererabwehrkette entscheiden – dann könnte er die Position des Rechtsverteidigers einnehmen. Bislang konkurriert er außen mit Danny da Costa und Timothy Chandler. Allerdings könnte noch ein offensiv ausgebildeter Mann für den Flügel verpflichtet werden und die Konkurrenz auf der Seite insgesamt erhöhen. „Es ist die gleiche Marschroute wie immer“, sagt der Verteidiger und führt aus: „Man muss sich anbieten und um seine Einsatzzeiten kämpfen. Die Plätze sind heiß begehrt. Das ist gut so, weil es das Niveau der Mannschaft steigen lässt.“

Der neuen Spielzeit blickt er mit großer Zuversicht entgegen. „Ich sehe in den ersten Trainingseinheiten, mit wie viel Lust wir zu Werke gehen. Wenn wir diese Mentalität beibehalten, ist es durchaus drin, um die internationalen Plätze mitzuspielen“, glaubt Toure. Er räumt ein, dass es in der vergangenen Saison „zu viele gefährliche Ballverluste“ und in der Folge „unnötige Konter“ gegeben hätte. „Deswegen fordert der Trainer noch mehr Kompaktheit und Konzentration ein. Außerdem will er von uns noch mehr Aggressivität und Vertikalität bei der Balleroberung sehen. Daran arbeiten wir gerade sehr intensiv, das sind die Basics, die uns auszeichnen sollen“, erläutert Toure. 

Kicker

Haller-Nachhall sorgt für Kopfzerbrechen

Die Frankfurter Eintracht wartet weiter auf die letzte Haller-Rate von West Ham United. Zudem ist der wirtschaftliche Druck auf die SGE auch noch aus anderen Gründen gewachsen.

Die Frankfurter Eintracht kämpft weiter um das ihr zustehende Transfergeld von West Ham United. Der englische Premiere-League-Klub hat vor einem Jahr Sébastien Haller für fünf Jahre unter Vertrag genommen und mit der Eintracht eine Ablösesumme von 40 Millionen Euro vereinbart, zahlbar in Raten. Nun haben die Engländer die letzten Raten schlicht nicht überwiesen. Insgesamt fehlen noch rund 24 Millionen Euro. Die Eintracht hat den Weltfußballverband FIFA eingeschaltet, der im Laufe der Woche über den Fall beraten hat. Doch die internationalen Mühlen mahlen langsam und so wird es bis zu einer Entscheidung dauern. Bitter für die Eintracht, ist sie doch durch die Auswirkungen der Corona-Krise sowieso schon ziemlich gebeutelt. Nun gibt es verschiedene Überlegungen an das Geld zu kommen. Eine davon: die Forderungen an West Ham an einen Dritten abzutreten, quasi ein Inkassounternehmen beauftragen, der der Eintracht die Millionen besorgt, einen Teil aber selbst einsteckt. Eine zweite: einen Kredit in dieser Höhe aufnehmen und so zu überbrücken, bis die FIFA endlich entscheidet.

Es ist nicht das einzige finanzielle Ärgernis, das die Eintracht in diesen Tagen und Wochen plagt. So ist dem Klub auch ein finanzieller Schaden durch die Partnerschaft mit einem in die Insolvenz gegangenen Zahlungsdienstleistungsunternehmen entstanden. Das und vor allem die Auswirkungen der zuschauerlosen Zeit mit all ihren Konsequenzen summiert sich, wie Vorstand Axel Hellmann im Laufe der Woche erklärt hat, „und wird uns noch eine lange Zeit beschäftigen.“ Der wirtschaftliche Druck auf den Klub hat sich jedenfalls deutlich erhöht. Ein klein wenig Hoffnung hat derweil der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier verbreitet: Ende August wollen sich die Ministerpräsidenten zusammensetzen und über Zuschauerzulassungen beraten. „Ich bin zuversichtlich, dass wir da zu gemeinsamen Entscheidungen kommen“, sagte Bouffier, „da steht der Fußball im Vordergrund, aber es geht nicht nur um den Fußball. Es geht auch um die Sportarten, die ohne Zuschauer nicht überleben können.“

Solange aber noch keine Zuschauer im Stadion sind, muss die Eintracht sich selbst helfen. Die Lösungsansätze liegen in erster Linie im sportlichen Bereich. Vor allem bei den Gehältern der Spieler, bei einer Verringerung der Kadergröße und beim Erzielen von Ablösesummen. Sportvorstand Fredi Bobic hat längst wieder Gespräche über Gehaltsverzichte der Spieler geführt. In den Monaten April, Mai und Juni hatten alle Profis und alle anderen Angestellten rund um die Mannschaft auf zwanzig Prozent der Vergütungen verzichtet. So wird es auch diesmal wieder angestrebt.

Es muss sich dabei um freiwillige Vereinbarungen handeln, denn in der Kürze der Zeit sind grundsätzliche Änderungen bei laufenden Verträgen nicht durchsetzbar. Das gilt für alle Klubs, natürlich auch für die Eintracht, deren Gehaltsstruktur parallel zu den Erfolgen in den letzten Jahren gestiegen ist. Bei den Möglichkeiten zum Handeln auf dem Transfermarkt ist die Eintracht im Grunde wieder auf das Niveau von 2016 zurückgeworfen worden. Damals hatte der neu eingestellte Sportvorstand Fredi Bobic mit wenig Geld (einer reinen Investitionssumme von rund drei Millionen Euro) eine schlagkräftige Mannschaft aufbauen müssen. Leihgeschäfte, viel Fantasie und Kreativität waren gefragt und sind es jetzt wieder. Durchaus möglich, dass die Eintracht sogar den einen oder anderen aus der Riege der wenigen Führungsspieler wie Martin Hinteregger oder Filip Kostic oder den jungen Evan Ndicka verkaufen muss.

Das wird dem Trainer nicht gefallen. Doch es ist für Adi Hütter auch eine Herausforderung. Er hat nun ohne Europapokalspiele die Gelegenheit, Spieler im Training besser zu machen, vor allem den einen oder anderen aus der jungen Garde wie Aymen Barkok, Tuta oder Dejan Joveljic zu entwickeln. Es wird ein schwieriger Weg für die Eintracht, aber einen, den sie schon einmal erfolgreich gegangen ist. „Wann auch immer die Krise zu Ende ist, wir werden dann sehr stark zurückkommen“, macht Vorstand Hellmann den vielen Fans und Freunden Mut.

Wiesbadener Kurier