Deutliches Signal an Joveljic

Kapitän Abraham hatte sich am Montag eine Seitenbandzerrung im rechten Knie zugezogen, befürchtet worden war ein zwei- bis dreiwöchiger Ausfall. Doch am Mittwoch lief der Innenverteidiger in der Vormittagssonne bereits wieder zügig Runden um den Platz, während sich die Kollegen ein intensives Trainingsspiel lieferten. Sollte es keinen Rückschlag geben, ist anzunehmen, dass Abraham zeitnah ins Mannschaftstraining zurückkehren kann.

Eine zweite Trainingsgruppe absolvierte auf einem der anderen Plätze ein separates Programm. Trainer Adi Hütter hatte schon vor Wochen angekündigt, nicht mit 30 Mann trainieren zu wollen, insofern überrascht diese Maßnahme nicht. Mit Dejan Joveljic (21), Nils Stendera (19), Yannick Brugger (19), Jabez Makanda (19), Marijan Cavar (22) und Lukas Fahrnberger (19) trainierte ein Sextett unter den Augen von Athletiktrainer Andreas Biritz. Ab dem Wochenende wird Marco Pezzaiuoli, der nicht mehr im NLZ der Hessen tätig ist, das Training dieser Gruppe übernehmen. Dass Joveljic nicht am Mannschaftstraining teilnehmen durfte, kam überraschend. Immerhin hatte die Eintracht vor einem Jahr vier Millionen Euro hingeblättert, um den Stürmer von Roter Stern Belgrad zu verpflichten. Erwartet worden war, dass der serbische U-21-Nationalspieler in der Vorbereitung die Chance erhält, sich zu zeigen. Doch das Signal ist klar: Hütter traut dem Talent den Durchbruch offenbar noch nicht zu. Zumal die Konkurrenz im Angriff mit André Silva, Bas Dost, Goncalo Paciencia und Neuzugang Ragnar Ache groß ist. Da Joveljic in Frankfurt bis 2024 unter Vertrag steht, erscheint eine weitere Ausleihe als die klügste Lösung. Ein vermeintlicher Rückschritt in die 2. Liga könnte sich im Falle regelmäßiger Spielpraxis als Win-win-Situation erweisen. Ob für das Talent bereits Anfragen vorliegen, ist nicht bekannt. Vergangene Rückrunde war Joveljic an den RSC Anderlecht ausgeliehen. Pech: Nach fünf Einsätzen (ein Tor) wurde die belgische Liga wegen der Corona-Pandemie abgebrochen.

Nach dem Vormittagstraining fand eine Pressekonferenz mit Verteidiger Almamy Toure statt. Der Franzose steht vor einem wegweisenden Jahr. Fußballerisch wurde der 24-Jährige bei der AS Monaco gut ausgebildet, allerdings ist auch eineinhalb Jahre nach seiner Verpflichtung nicht abzusehen, ob er den Durchbruch in der Bundesliga schafft. Mit Schlafmützigkeiten und leichten Fehlern fiel Toure bislang zu häufig negativ auf. Im Saisonendspurt verzichtete Hütter komplett auf seine Dienste. Allerdings gab es auch immer wieder Lichtblicke, die hoffen lassen: In den Heimspielen gegen Bremen, Leverkusen, Augsburg und Salzburg sah er jeweils die kicker-Note 2. Am 19. Spieltag erzielte er beim 2:0 gegen Leipzig (kicker-Note 2,5) mit einem herrlichen Distanzschuss sein erstes Bundesligator. Potenzial ist also durchaus vorhanden.

Vor dem Anpfiff der neuen Saison stellen sich zwei Fragen: Gelingt es Toure, Konstanz in seine Leistungen zu bringen? Und kann er sich im internen Konkurrenzkampf durchsetzen? Letzteres könnte zum Teil auch von der Formation abhängen. Im 3-5-2 bliebe für ihn im Grunde nur die Position rechts auf dem Flügel. Optimal fühlt er sich in dieser Rolle nicht aufgehoben, am Mittwoch sprach er davon, dass es ungewöhnlich sei, die komplette rechte Seite zu bearbeiten, betonte aber auch: „Man muss sich anpassen, seine Leistung bringen und das Beste daraus machen.“ Zwar kann Toure ebenso als Innenverteidiger eingesetzt werden, an einem fitten Abraham kommt er jedoch nicht vorbei. Größere Chancen auf Spielpraxis hätte Toure, sollte sich Hütter für eine Viererabwehrkette entscheiden – dann könnte er die Position des Rechtsverteidigers einnehmen. Bislang konkurriert er außen mit Danny da Costa und Timothy Chandler. Allerdings könnte noch ein offensiv ausgebildeter Mann für den Flügel verpflichtet werden und die Konkurrenz auf der Seite insgesamt erhöhen. „Es ist die gleiche Marschroute wie immer“, sagt der Verteidiger und führt aus: „Man muss sich anbieten und um seine Einsatzzeiten kämpfen. Die Plätze sind heiß begehrt. Das ist gut so, weil es das Niveau der Mannschaft steigen lässt.“

Der neuen Spielzeit blickt er mit großer Zuversicht entgegen. „Ich sehe in den ersten Trainingseinheiten, mit wie viel Lust wir zu Werke gehen. Wenn wir diese Mentalität beibehalten, ist es durchaus drin, um die internationalen Plätze mitzuspielen“, glaubt Toure. Er räumt ein, dass es in der vergangenen Saison „zu viele gefährliche Ballverluste“ und in der Folge „unnötige Konter“ gegeben hätte. „Deswegen fordert der Trainer noch mehr Kompaktheit und Konzentration ein. Außerdem will er von uns noch mehr Aggressivität und Vertikalität bei der Balleroberung sehen. Daran arbeiten wir gerade sehr intensiv, das sind die Basics, die uns auszeichnen sollen“, erläutert Toure. 

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