Eigengewächse bei Eintracht Frankfurt nicht gefragt

Schwerer Stand für die Eintracht-Talente: Verträge ja, Einsätze nein. Die Aussichten sind auch nicht rosig. Und die nächsten Eigengewächse stehen schon in den Startlöchern.

Sahverdin Cetin (19), Patrick Finger (19), Nils Stendera (19) – alle drei stehen im Bundesliga-Kader der Frankfurter Eintracht. Gemeinsam ist dem Trio neben einem Profivertrag auch die Chancenlosigkeit auf Einsätze in Pflichtspielen. Keiner der drei jüngsten „Adler“ hat in dieser Saison bislang auch nur eine Minute gespielt. Und die Aussichten, dass sich das ändert, sind unabhängig von den Ungewissheiten rund um „Corona“ nicht wirklich groß. Der Weg nach oben scheint gerade bei der Eintracht für Eigengewächse besonders schwer. Der Letzte, der aus dem Nachwuchsleistungszentrum am Riederwald den Sprung zu den Profis mit Einsätzen geschafft hat, war Marc Stendera, der am 6.April 2013 im Alter von 17 Jahren gegen Bayern München sein Bundesligadebüt feiern durfte. Er hat immerhin 78 Spiele für die Eintracht bestritten, bevor er im letzten Herbst zu Hannover 96 gewechselt ist.

Das aktuelle Trio, Stendera, Cetin und Finger, trainiert fleißig mit, mehr nicht. Und die nächsten Talente warten schon. Mit Fynn Otto (18) und Jabez Makanda (18) hat Sportvorstand Fredi Bobic zwei Spielern aus der aktuellen U 19 Verträge gegeben. Ob sie in der kommenden Saison mehr Glück haben als ihre Vorgänger? Einen weiteren U 19-Spieler wollte die Eintracht zudem noch gerne vertraglich binden, doch Stürmer Abdulkarim Cakar (18) hat das Angebot abgelehnt und will seine Chance bei einem anderen Klub suchen.

Die Realität für die Jungen heißt bei der Eintracht: Training und mal ein paar Einsätze in Freundschaftsspielen. Bestes Beispiel dafür ist Nils Stendera. Beim Namen Stendera und Eintracht denken die meisten Fußballinteressierten immer noch an Marc, den 24 Jahre alten älteren Bruder, U 21-Nationalspieler, in Hannover freilich auch mehr auf der Ersatzbank als auf dem Platz. Nils Stendera, 19 Jahre alt, U 16 Nationalspieler, hat im letzten Sommer einen Dreijahresvertrag unterschrieben, ist seitdem auf dem Platz aber noch nicht in Erscheinung getreten. Genauer: Er konnte nicht in Erscheinung treten. Nils Stendera ist „dauerverletzt“, ein furchtbares Wort, das in diesem Fall aber zutrifft. Er plagt sich dauerhaft mit Leistenproblemen, musste operiert werden und hat sich erst in den letzten Wochen wieder herangekämpft. „Die Leistenprobleme begleiten mich schon seit der Jugend, deshalb kann ich noch nicht bei hundert Prozent sein“, sagt er, „jetzt ist es vor allem wichtig, über eine längere Zeit beschwerdefrei zu bleiben.“

Nils ist einen ganz ähnlichen Weg gegangen wie sein Bruder. Zuletzt war er Kapitän der U 19. Fünf Jahre hat er im Internat am Riederwald gewohnt und pflegt dorthin nach wie vor enge Bindungen. „Wenn es die Zeit zulässt, besuche ich die Spiele der U 19 und der U 17“, sagt er, „vor Kurzem war ich auch mal wieder im Internat.“ Das Vereinsrestaurant „Diva“ war so etwas wie die zweite Heimat, „an einem Essen dort komme ich bei meinen Besuchen eigentlich nie vorbei.“ Die Verbindungen zum Riederwald, zu früheren Kollegen und zu den Mitarbeitern sind eng. „Der Kontakt ist da und das wird auch immer so bleiben“, sagt Nils Stendera.

Sportlich macht er schwere Zeiten durch. Wie sein Bruder ist auch er im Mittelfeld zu Hause, wenn die Gesundheit denn Einsätze zulassen. Nils sieht Marc sehr ähnlich, ist ein paar Zentimeter größer, gilt als noch feinerer Fußballer, auch einen Tick schneller als sein Bruder soll er sein. Und genauso ehrgeizig. Marc hat sich nach zwei Kreuzbandrissen mit großem Fleiß immer wieder zurückgekämpft. Nils eifert ihm nach den vielen Rückschlägen nach. „Speziell im physischen Bereich muss ich noch mehr arbeiten“, hat er sich vorgenommen. Der Wunsch: Endlich schmerzfrei Fußball spielen und die Chance auf eine Bundesliga-Karriere vielleicht doch noch nutzen.

Wiesbadener Kurier