Fredi Bobic pokert bis zum Schluss

Geduld und das Warten auf die richtige Gelegenheit gehört zu den größten Tugenden von Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic im Transfergeschäft. Trotz der prekären sportlichen Lage, denn auch nach dem Sieg in Hoffenheim trennen die Eintracht ja nur vier Punkte vom Relegationsplatz, haben die Frankfurter als einer von wenigen Bundesliga-Klubs in diesem Winter noch keinen aktuellen Transfer getätigt. Der Kauf von Ragnar Ache von Sparta Rotterdam ist ein Vorgriff auf die neue Saison. Der Angreifer spielt bis zum Saisonende weiter in Holland. Vor dem Spiel in Hoffenheim hatte Bobic immerhin angekündigt, „dass noch was passieren wird.“ Am Montag sind dann Gerüchte aufgekommen, die Frankfurter könnten sich wie schon im letzten Sommer um Max Kruse bemühen. Der ehemalige Nationalspieler (14 Länderspiele) war im letzten Sommer von Werder Bremen zu Fenerbahce Istanbul gewechselt. Kruse zu holen, wäre eine charmante Idee. Aber dazu wird es nicht kommen.

Gegen eine Kruse-Verpflichtung spricht neben dem Alter des Spielers, der im März 32 wird, dass Fenerbahce angeblich rund sieben Millionen Euro an Ablöse fordert. Das könnte die Eintracht zwar stemmen, aber Im Sommer wäre er noch ablösefrei zu bekommen gewesen. Das wäre ein ganz schlechtes Geschäft. Gescheitert war der Wechsel damals an den hohen Gehaltsforderungen des Spielers, die die Eintracht nicht bereit war zu erfüllen. Warum sollte sich das geändert haben? Laut der Internet-Plattform „Turksvoetbal“, die kurioserweise in den Niederlanden erscheint, soll die Eintracht fünf Millionen Euro angeboten haben. In Frankfurt gab es ob dieser Meldung nur Kopfschütteln.

Werder Bremen, Kruses letzter Klub in Deutschland und ähnlich wie die Eintracht in keiner komfortablen Position, wurde auch mit seinem ehemaligen Spieler in Verbindung gebracht, hat aber abgewunken. „Wir hatten im Sommer keine Chance Max Kruse zu halten“, sagte Sportchef Frank Baumann, „und jetzt ist er kein Thema und wird auch kein Thema.“ Kruse hat in der türkischen „Süper Lig“ in dreizehn Spielen drei Tore selbst geschossen und sechs vorbereitet. Das ist ein ordentlicher, aber kein überragender Wert. Wegen Leistenproblemen hatte er im Spätherbst fünf Wochen pausieren müssen. Beim 2:0-Sieg am Samstag in Gaziantep hatte er das 1:0 erzielt.

Bei Verhandlungen mit „Fener“ ist zudem Vorsicht geboten, das haben die Eintracht und Spieler von der Eintracht schon einige Male erfahren müssen. Vor eineinhalb Jahren, im September 2018 ist ein Wechsel von Marco Fabián (aktuell Philadelphia Union) in letzter Minute unter dubiosen Umständen noch geplatzt und vor zwei Wochen ist Simon Falette zu den blau-gelben nach Istanbul gewechselt, eine Spielfreigabe aber hat der Verteidiger noch nicht.

Vom Tisch sind auch Überlegungen um Jacob Bruun Larsen von Borussia Dortmund (Bobic: „Kein Thema“) oder die Rückholaktion von Ante Rebic, nachdem der endlich einmal in Mailand getroffen hat. „Wir suchen keinen Stürmer“, hat Trainer Adi Hütter jetzt klargemacht. Und sie suchen auch keinen offensiven Mittelfeldspieler wie Kruse. Das Augenmerk liegt auf einem defensiven Mittelfeldspieler, nachdem Gelson Fernandes ja wegen eines Sehnenrisses am Hüftbeuger voraussichtlich bis zum Ende der Saison ausfällt.

Knapp zwei Wochen bleiben Bobic noch, Spieler zu verpflichten, dann schließt das Transferfenster. Es bleibt der Eintracht also Zeit genug zum Handeln und es bleibt noch viel Zeit für Spekulationen. Fredi Bobic jedenfalls ist ein Spezialist für die letzten Transfertage. Bas Dost hat er vor dieser Saison am 27.August geholt, André Silva gar erst am 1.September. Das war in letzter Minute. 

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