Kein Trainingslager, keine Auslandsreisen

Die Frankfurter Eintracht hat in den letzten Jahren in ihrer Geschäftspolitik immer mehr und immer deutlicher auf Internationalisierung gesetzt. Die Kontakte in die Vereinigten Arabischen Emirate, nach China, nach Japan oder zuletzt immer häufiger in die USA wurden immer weiter ausgebaut. Die Profis flogen zu Trainingslagern in den Mittleren Osten oder nach Amerika, die Fußballschule von Legende Charly Körbel saß dann häufig mit im Flieger. In New York hat die Eintracht in den Räumen ihres Hauptsponsors „Indeed“ ein Büro eröffnet. Vor einem halben wurde der langjährige Leiter des Nachwuchsleistungszentrums und ehemalige Profi Armin Kraaz die Aufgabe zugewiesen, die „internationalen Beziehungen und Sportkooperationen“ weiterzuentwickeln.

Kraaz sollte sich um die Entwicklung und den Aufbau von Fußballnachwuchs- und Akademieprojekten vornehmlich in den USA, Kanada und Mexiko kümmern. All das ist nun durch „Corona“ zum Erliegen gekommen. „ich habe alles absagen müssen, Flugreisen nach Amerika sind in diesen Zeiten nicht gerade die beste Idee“, sagt Kraaz, der versucht per Telefon und Video-Gesprächen die Kontakte am Leben zu erhalten. „Das Geschäftsmodell Internationalisierung ist eingeschlafen“, sagt Sportvorstand Fredi Bobic, „alles wurde abgesagt, das ist hart.“ Man werde im Vorstand nun genau überlegen, „was Sinn macht für die nächsten Jahre.“ Bobic, ein ausgewiesener USA-Fan bedauert die Entwicklung besonders.

Die Reiseeinschränkungen wegen der Pandemie haben für die Eintracht auch ganz praktische Folgen: So wird es in diesem Sommer kein Trainingslager im Ausland geben. In den letzten Jahrzehnten waren die Frankfurter im Sommer bevorzugt nach Südtirol, Österreich und die Schweiz gereist, im Winter nach Abu Dhabi und die USA, um dort die Mannschaft auf die Aufgaben vorzubereiten. Jetzt sind die logistischen Herausforderungen wegen der strengen Hygiene-Regeln zu groß für solche Ausflüge. So gehen ja auch die regelmäßigen Tests auf den Covid-19-Virus weiter, ein von der DFL zugelassenes Labor muss also in der Nähe sein. „Training wird hier sein“, sagt Bobic. Also in Frankfurt, auf dem Gelände im „Deutschen Bank Park“. Manager Bruno Hübner hält wenigstens ein paar Tage in der „näheren Umgebung“ für möglich.

Bis inklusive 26. Juli hat die Eintracht ihre Profis in Urlaub geschickt. Am 27. und 28. Juli werden die üblichen medizinischen Tests durchgeführt, am 29. Juli findet das erste Mannschaftstraining statt. Damit beginnt die kurze Vorbereitung auf das Achtelfinal-Rückspiel gegen den FC Basel am 5. oder 6. August. Das Hinspiel haben die Frankfurter mit 0:3 verloren. „Wir haben noch ein bisschen Hoffnung, vielleicht schaffen wir ja eine Sensation“, sagt Bobic. Wo dieses Spiel ausgetragen wird, ist noch offen. Sollte die Eintracht tatsächlich noch weiterkommen wird sie am Europa-League-Endturnier vom 10.bis 21.August in Nordrhein-Westfalen (Spielorte: Duisburg, Düsseldorf, Köln und Gelsenkirchen) teilnehmen.

Scheiden die Frankfurter aus, wird die Vorbereitung bis zum Pokalstart am 11.September und dem Ligastart am 18.September fortgesetzt. Freundschaftsspiele gegen internationale Gegner fallen in diesem Sommer weg, auch die beliebten Besuche „auf dem Dorf“ bei kleinen Vereinen. Bei den Tests werden die deutschen Klubs unter sich bleiben. „Wir werden gegen Bundesliga, Zweite Liga und dritte Liga spielen“, sagt Bobic, „dann gewinnen wir ja vielleicht auch mal gegen Mainz.“

Wiesbadener Kurier