Zehn Spiele in 33 Tagen

Die Zeit der Ungewissheit ist vorbei, die Bundesligaspieler haben wieder ein Trainingsziel. Der Stichtag für die Frankfurter Eintracht ist der 16. Mai mit dem Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach, das um 18.30 Uhr angepfiffen wird. „Wir können die Jungs jetzt wieder von der Leine lassen“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic. Bis zum Neustart der „Fernsehspiele“ darf nun in Mannschaftsstärke trainiert werden.

Trainer Adi Hütter stand am Donnerstagvormittag zum ersten Mal nach fast zwei Monaten Corona-Pause wieder mit dem kompletten Kader auf dem Platz. Am Freitag wird trainiert, am Samstag ebenfalls, danach geht die komplette Mannschaft ins vorgeschriebene „Quarantäne-Trainingslager“. Wahrscheinlich wird die Eintracht das Lindner-Main-Plaza-Hotel beziehen, in Sachsenhausen direkt am Mainufer gelegen. Dort wohnt dauerhaft Sportvorstand Bobic und dort hat über ein Jahrzehnt auch dessen Vorgänger Heribert Bruchhagen in einem Appartement gewohnt.

Beim Training herrschte dem Anlass und dem Sonnenschein entsprechend ausgelassene Stimmung. Endlich gab es wieder Zweikämpfe – endlich wieder „richtiger“ Fußball. Das Trainerteam hatte viele Spiele auf engem Raum aufs Programm gesetzt. Und natürlich gab es zum Abschluss der Übungseinheit auch ein Spiel über das gesamte Feld, elf gegen elf. Ob sich zum Beispiel Stefan Ilsanker seinen Wunsch erfüllt hat, „endlich mal wieder einen abzugrätschen“, wurde nicht übermittelt. Verletzte solle es jedenfalls keine gegeben haben.

Die mentalen und die körperlichen Belastungen für die Spieler werden in den kommenden sechs Wochen sehr hoch sein. Bis zum geplanten letzten Spieltag am 27. .Juni hat die Deutsche Fußball-Liga (DFL) für alle Klubs zwei „englische Wochen“ angesetzt. Für die Eintracht bedeutet das: Die Heimspiele gegen Freiburg und Schalke finden unter der Woche statt. Zusätzlich müssen die Frankfurter ja in der ersten Juniwoche noch das Nachholspiel beim SV Werder Bremen bestreiten. Noch keinen Termin gibt es für das Pokal-Halbfinale beim FC Bayern München. Auch so sind es für die Eintracht zehn anstrengende Spiele in 33 Tagen. Da könnte es durchaus hilfreich sein, dass den Frankfurtern der Europapokalrhythmus seit zwei Jahren ja gut bekannt ist.

Fachleute sehen der Häufung der Spiele nach der Pause dennoch mit Sorge entgegen. Schon in der nun beginnenden direkten Vorbereitung auf den Neustart mit der Rückkehr zu intensivem körperbetonten Training, erwartet Christian Kolodziej, jahrelang Konditionstrainer der Eintracht und inzwischen beim FC Zürich unter Vertrag, „eine erhöhte Zahl an Muskelverletzungen“. Auch in den Wochen der Spiele sei dann von einem „erhöhten Verletzungsrisiko“ auszugehen. „Regeneration und Rotation werden dann eine wesentliche Rolle spielen“, glaubt Kolodziej. Mit 25 Spielern im Kader und aktuell ohne ernsthafte Verletzungsausfälle glaubt sich die Eintracht gut vorbereitet auf den Spiele-Marathon ohne Zuschauer.

Wiesbadener Kurier